Auf der Frankfurter Buchmesse regierte die “Weiter So”-Stimmung – wir haben zwischen Virenschleuderpreis und Innovations-Hotspots dennoch einige interessante Entdeckungen herauskitzeln können.
Die Buchmesse Frankfurt ist mit ihren knapp 270.000 Besuchern jedes Jahr Anfang Oktober ein Magnet für die deutsche Verlags- und Buchwirtschaft – klar, dass wir da rein aus Neugier nicht fernbleiben konnten und uns auf die Suche nach den digitalen Innovationen des Jahres begaben. Doch vorweg: Wer dieses Jahr große Antworten oder neue Fragen finden wollte, der musste seine Enttäuschung wohl leider mit fairem Kaffee vom taz-Stand herunterspülen.

"Believe it or not - Reality Shock!"

1. Innovationen kommen überwiegend von außen

So präsentierte sich die Messe zwar mit diversen Hotspots zum Thema, dort war aber vor allem ein eigentlich branchenfremdes Unternehmen tonangebend: “Innovationspartner” Samsung. Die Koreaner waren mit zahlreichen Speakern in jeder Halle sehr präsent – selbst auf der Schöpferseite, wie man im Vortrag der I-ePub Inc. am Hotspot Digital Innovation hören konnte:


Aufmerksamkeitsstarke Projekte wie Sascha Lobos sobooks aus dem vergangenen Jahr? Fehlanzeige.

2. Konkurrenz belebt das (Self-)Publishing

Digitalen Schwung bekamen die Self-Publisher, die mit gefühlt Dutzenden Lösungen für den hausgemachten eBook-Erfolg überschüttet wurden. Darüber hinaus spielten Chancen der Digitalisierung eher eine Nebenrolle. Lieber reibt man sich nach wie vor am Großkonkurrenten Amazon – auf der einen Seite schweißt das die wachsende Tolino-Allianz zusammen, treibt auf der anderen Seite aber auch kuriose Blüten, wie auf dieser handgemachten Protestwand:
Auf der Social-Seite der Buchmesse zeichnet sich aber immerhin ein Trend ab: neue soziale Netzwerke konzentrieren sich zunehmend auf verbindende spitze Interessengruppen (hier: Bücherfans), um den großen Networks entgegenzutreten. Neben Amazons Goodreads und Holtzbrincks Lovelybooks wildert auch das polnische Booklikes mit zunehmender Prominenz auf Buch-Community-Terrain. Es punktet gegenüber der Konkurrenz besonders durch Integration von Tumblr-ähnlichem Blogging, das Nutzern wie Autoren mehr Artikulierungsmöglichkeiten bietet.

3. Ideen blühen im Kleinen

Kulturell ist es nett zu beobachten, dass selbst digitale Phänomene irgendwann den Weg zum bedruckten Papier finden. Da spielt Print schon eine Rolle: Neben Comicreihen zu den App-Bestsellern Angry Birds oder Plants & Zombies präsentierte sich auch Indie-Game-Gigant Minecraft mittels schmuck designten Ratgebern.

Minecraft findet mit Ratgebern nun auch im Print statt

Ein Höhepunkt der Kleinode war sicherlich auch die Verleihung des Virenschleuderpreises 2014. Er zeichnete die Pinakothek München mit ihrer Rembrandreise sowie die Fotokampagne der Buchhandlung Lessing und Kompanie aus und machte damit tolle Kampagnen unabhängiger Instititutionen mit schmalem Budget sichtbarer. Preisträger des Virenschleuderpreises 2014 Auch wir waren dieses Jahr wieder auf der Shortlist und können den Virenschleuderpreis als innovativen Marketingaward mit Herz weiterhin nur empfehlen. Mitmachen lohnt sich ;)

Vom neu eingerichteten “Business Club” mit Workshops und Konferenzen konnten wir uns leider keinen Eindruck bilden – die prominente Rednerliste machte aber durchaus Lust und fand laut Flurgeflüster auch ein gespanntes Publikum.

Welche Entdeckungen haben wir verpasst? Was ist euch noch aufgefallen? Schreibt uns gerne einen Kommentar.