Während der Werbung geht der durchschnittliche Kinogänger normalerweise nochmal schnell auf’s Klo, kauft Popcorn oder schreibt SMS. Bei diesen kreativen Aktionen gibt es jedoch kein Entkommen. Sie sind unterhaltsam, machen das Publikum zum Akteur und den eigentlich dunklen, anonymen Zuschauerraum zur Bühne. Was Theatermacher seit Jahrzehnten versuchen, ohne wirklichen Erfolg zu haben, gelingt den Werbern hier scheinbar mühelos.
Der reale Ort Kino ist ein gutes Umfeld für unterhaltsame Marken-Werbe-Aktionen. Das Lichtspielhaus als Freizeitort und die Erwartung einer emotionalisierenden Vorstellung macht die Zuschauer offen für witzige Mitmachaktionen, die garantiert nicht so schnell wieder in Vergessenheit geraten.

@sebaso: Vielen Dank für den Hinweis (http://twitter.com/sebaso/statuses/9277879239), natürlich hat das mit der Interaktion im Theater auch schon mal geklappt. Max Reinhard, Brecht, Hermann Nitsch und Konsorten in allen Ehren. Aber schwierig ist es alle mal eine anonyme Masse zum Mitmachen zu bewegen.
Wahrscheinlich ist die Kinoidee sogar vom Theater abgeguckt und vielleicht können ja auch beide noch was voneinander lernen?
Zur Zeit gibt es erstaunlicherweise auch einige Projekte, die Kino bzw. Fernsehen und Theater miteinander verbinden und dabei gerade auf Interaktion zwischen Bühne und Publikum setzen z.B. diese beiden:
http://www.kultur-channel.at/theater-akzent-premiere-fuer-das-interaktive-musicalquiz-mit-guenter-tolar/
http://www.mv-online.de/lokales/muenster/kultur/1273240_Darsteller_spielen_Ben_Hur.html
Interessant auch dieses etwas ältere Beispiel:
http://theaterzweipunktnull.theaterblogs.de/?p=29
Während man in der eher „populärkulturellen Szene“ scheinbar immer noch sehr angetan von der Interaktionsidee ist, so wird diese in den eher hochkulturellen Kreisen mittlerweile sogar schon für tot erklärt. Siehe Schlingensief und Pollesch (http://www.schlingensief.com/weblog/index.php?p=459) oder Nis-Momme Stockmann (http://www.swp.de/goeppingen/nachrichten/kultur/art4308,369622).
Wenn Pollesch Martin Wuttke sagen lässt „das interaktive Theater war ein jahrzehntelanger Terror” oder Stockmann sich wünscht, dass das Theater „einfach mal den Mut hätte, “nur” unterhaltend zu sein und es diese bescheuerte Kopplung von Relevanz und Unterhaltung in dasselbe Archiv steckte, wo auch schon das interaktive Theater sein verdientes Ende fristet“, dann schwingt da mit Sicherheit ebensoviel Wehmut über das Ende einer Ära mit, wie in dem Satz „Was Theatermacher seit Jahrzehnten versuchen, ohne wirklichen Erfolg zu haben, gelingt den Werbern hier scheinbar mühelos.“
Wenn jemand andere sinnvolle Links zu interaktiven Formen in Kino, oder auch im Theater hat, der kann sie gerne in den Kommentaren hinterlassen.